Hierapolis Pamukkale: Eintritt, Öffnungszeiten, Anfahrt
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Hierapolis in Pamukkale: Eintritt, Öffnungszeiten, Anfahrt und Rundgang durch die antike Stadt

Hierapolis ist Pamukkale: Die Ruinen der antiken Stadt liegen direkt über den weißen Kalkterrassen, auf demselben Gelände und hinter denselben Eingängen. Du findest sie im Südwesten der Türkei, in der Provinz Denizli. Der Landkreis heißt ebenfalls Pamukkale, die Stadt Denizli liegt etwa 18 Kilometer weiter südlich. Seit 1988 steht „Hierapolis-Pamukkale“ auf der UNESCO-Welterbeliste, und zwar als gemischte Stätte, also als Kultur- und Naturerbe zugleich. Davon gibt es in der Türkei nur zwei, die andere ist Göreme mit Kappadokien.

Ein Ticket gilt für alles: Terrassen, Ruinen und Archäologisches Museum. Als Ausländer zahlst du 30 € (Stand: 9. September 2026), und zwar in Euro, nicht in Lira. Am einfachsten kommst du mit dem Dolmuş vom Busbahnhof Denizli hin, die Minibusse fahren bis zu den Toren von Pamukkale. Ich streife unglaublich gern durch alte Ruinen, spüre dem Geist dieser Zeit nach und staune über die Baumeister der Antike. Diesen Ort konnte ich mir also auf keinen Fall entgehen lassen. Kommst du mit?

1. Ein kurzer Blick in die Geschichte

Hierapolis ist eine antike Stadt mit einer sehr bewegten Geschichte. Meist liest man kurz und knapp, der Name bedeute „Heilige Stadt“. Das stimmt nur zur Hälfte. So heißt Hierapolis in der archäologischen Literatur, weil es hier so viele Tempel und Heiligtümer gab. Laut dem türkischen Kulturministerium hat die Stadt ihren Namen aber von Hiera, der Frau des Telephos, des sagenhaften Gründers von Pergamon. Mir gefällt die zweite Version besser: Dahinter steht ein Mensch und nicht bloß ein Etikett.

Gegründet hat die Stadt Eumenes II., König von Pergamon, Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. Hierapolis ist also rund 2200 Jahre alt. Besiedelt war der Ort schon vorher, hier wurde die Große Mutter verehrt, doch die ersten Bauten der eigentlichen Stadt stammen aus pergamenischer Zeit. Im ursprünglichen Zustand ist davon nichts erhalten: Mehrmals haben Erdbeben die Stadt komplett zerstört. Sie wurde immer wieder aufgebaut, wechselte immer wieder die Herrscher und fiel um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert an die Seldschuken. Im 13. Jahrhundert war sie nur noch ein kleiner Ort im Sultanat der Seldschuken. Einen Staat namens Türkei gab es damals natürlich noch nicht.

Wegen der nahen Thermalquellen von Pamukkale war Hierapolis ein anerkannter Kurort und bei Gästen sehr beliebt.

Auch für das frühe Christentum war Hierapolis wichtig. Hier predigte der Apostel Philippus, einer der zwölf Apostel, und hier starb er im Jahr 80 n. Chr. Laut dem türkischen Kulturministerium wurde er gekreuzigt. Was dann folgt, ist Legende, und ich erzähle es ausdrücklich als Legende: Weder das Ministerium noch die Nachrichtenagenturen bestätigen es. Während der Hinrichtung soll ein heftiges Erdbeben eingesetzt haben. Das hat die Menschen in Hierapolis so beeindruckt, dass viele von ihnen später Christen wurden. Auf dem Hügel über der Stadt steht ein achteckiger Gedenkbau, das Martyrion des Philippus.

Nach einem weiteren Erdbeben im 14. Jahrhundert wurde die Stadt nicht nur beschädigt, sondern endgültig verlassen. Systematisch gräbt hier eine italienische Mission, und zwar seit 1957. Rätsel gibt es trotzdem noch genug: Den spektakulärsten Fund, das Plutonion oder „Tor zur Hölle“, haben die Italiener erst 2013 freigelegt. Mehr dazu weiter unten. Die Ausgrabungen laufen bis heute.

2. Praktische Infos

2.1. Lage und Anreise

Hierapolis liegt auf dem gemeinsamen Gelände von Pamukkale. Dazu gehören auch die Kalkterrassen (Travertine), das Kleopatra-Becken und das Museum von Hierapolis.

Die genaue Lage: Provinz Denizli, Landkreis Pamukkale, Südwesttürkei, Ägäisregion. Vom Zentrum Denizlis bis zu den Toren sind es etwa 18 Kilometer Richtung Norden, also zwanzig bis dreißig Minuten Fahrt.

Am einfachsten fährst du mit dem Dolmuş (Minibus) vom Busbahnhof Denizli: Die Minibusse fahren direkt bis zu den Toren von Pamukkale, so steht es auf der Seite des Kulturministeriums zu dieser Stätte. Liniennummer und Fahrpreis nenne ich bewusst nicht. Das Verkehrsportal der Stadt Denizli gibt seine Daten nicht heraus, und eine Zahl erfinden will ich nicht. Frag am Busbahnhof, dort weiß jeder, welcher Bus nach Pamukkale fährt.

Kommst du aus Kuşadası, plane einen ganzen Tag ein: Das sind 190 Kilometer und 3,5 bis 4,5 Stunden im Bus, mit Umsteigen in Denizli. Direkte Busse gibt es nicht.

Die antike Stadt ist riesig, für alles brauchst du einen ganzen Tag. Für das gesamte Gelände von Pamukkale (ohne Baden im Kleopatra-Becken) haben wir 8 Stunden gebraucht. Und trotzdem haben wir nicht die ganze Stadt gesehen: Sie ist zu groß, und die einzelnen Sehenswürdigkeiten liegen weit auseinander.

Hier liegt Hierapolis auf der Karte:

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Hierapolis:

  • das Apollon-Heiligtum: Lange hielt man es für einen Tempel, nach neueren Grabungen gilt es als Orakel;
  • das Plutonion, das „Tor zur Hölle“: Aus dieser Höhle strömt bis heute Kohlendioxid;
  • das antike Theater;
  • das Martyrion des Philippus;
  • die Agora (der Marktplatz);
  • die Latrine, eine antike öffentliche Toilette, hervorragend erhalten;
  • das Domitianstor;
  • die Nekropole;
  • das Archäologische Museum Hierapolis, untergebracht in den römischen Thermen.

2.2. Öffnungszeiten

Die Zeiten habe ich am 9. September 2026 auf der Seite des türkischen Kulturministeriums zu dieser Stätte und bei der Kultur- und Tourismusdirektion Denizli geprüft. Im Sommer, vom 1. Juni bis 30. September, gilt:

  • Einlass ab 8:00 Uhr;
  • Tagestickets werden bis 18:45 Uhr verkauft;
  • im Sommer gibt es zusätzlich einen Abendbesuch von 19:00 bis 23:00 Uhr, Tickets dafür bekommst du bis 21:00 Uhr;
  • der untere Fußweg aus dem Dorf über die Terrassen: 08:00 bis 18:00 Uhr;
  • Kleopatra-Becken und Archäologisches Museum: 08:00 bis 20:00 Uhr;
  • Ruhetage gibt es nicht, geöffnet ist täglich.

Hier tappt man leicht in die Falle: Der untere Eingang schließt um 18:00 Uhr, die Kasse an den Toren verkauft aber bis 18:45 Uhr. Um halb sieben unten im Dorf stehen und feststellen, dass niemand mehr hochgelassen wird, passiert ständig. Wenn es schon spät ist, fahr lieber zum Südtor.

Und noch etwas: Das sind die Sommerzeiten. Ab 1. Oktober gilt der Winterplan, einen Abendbesuch gibt es im Winter nicht, und die neuen Zeiten werden jeden Herbst eigens veröffentlicht. Schau kurz vor der Reise auf die offiziellen Öffnungszeiten der Kulturdirektion Denizli, das dauert eine Minute.

2.3. Eintritt

Für das ganze Gelände gab es schon immer ein gemeinsames Ticket. Hier ist unseres: Im Oktober 2015 haben wir dafür 25 Lira bezahlt, und damit kam man sowohl auf die Terrassen als auch nach Hierapolis:

Unser Ticket für Pamukkale und Hierapolis aus dem Jahr 2015

Als ich diese Seite im Juni 2020 aktualisiert habe, stand hier noch ein Preis in Lira. Das kannst du vergessen: Ausländer zahlen in Euro, und am 9. September 2026 kostet das Ticket 30 €. Den Betrag habe ich in der aktuellen Preisliste von DÖSİM nachgesehen. Das ist der Wirtschaftsbetrieb des türkischen Kulturministeriums, nach genau dieser Liste arbeiten die Kassen. Wer nur mit Lira in bar und ohne Karte anreist, erlebt eine unangenehme Überraschung.

Und das Wichtigste, was ich selbst lange nicht verstanden habe: Hierapolis und die Terrassen sind eine Stätte mit einem Ticket, nicht zwei Eingänge mit zwei Kassen. In der Preisliste steht es wörtlich: „mit einem Ticket zu besichtigen“. Im offiziellen Online-Shop des Ministeriums heißt das Produkt sogar ganz einfach „Hierapolis Archaeological Site and Pamukkale Travertines“.

Was die 30 € abdecken und was nicht:

  • die Terrassen von Pamukkale und alle Ruinen von Hierapolis: inklusive;
  • das Archäologische Museum Hierapolis: inklusive, ein eigenes Ticket gibt es nicht mehr;
  • Baden im Kleopatra-Becken: nicht inklusive. Das kostet extra, 600 Lira für Erwachsene und 300 Lira für Kinder von 7 bis 12 Jahren, Kinder bis sechs Jahre baden gratis. Kaufen kannst du das nur an der Kasse vor Ort, online gibt es dieses Ticket gar nicht;
  • der Audioguide: derzeit noch kostenpflichtig, 200 Lira.

Ermäßigung gibt es für Ausländer im Grunde nur eine: Kinder bis einschließlich 8 Jahre haben freien Eintritt. Die türkische Müzekart bekommen wir Touristen nicht, sie ist nur für türkische Staatsbürger. Stattdessen gibt es den MuseumPass: The Mediterranean für 90 € und The Aegean für 95 €, beide gelten 7 Tage, und Pamukkale ist in beiden enthalten. Allerdings kannst du damit jede Stätte nur einmal besuchen, und für den Abendbesuch gilt der Pass nicht.

Außerdem gibt es ein Kombiticket für 40 €: Hierapolis plus Laodikeia plus Archäologisches Museum Denizli, gültig 72 Stunden ab dem ersten Einlass. Die Rechnung ist einfach: Hierapolis allein kostet 30 €, Laodikeia allein 12 €. Für zehn Euro mehr bekommst du also Laodikeia und das Museum dazu. Nur: Ob du damit innerhalb der 72 Stunden zweimal nach Hierapolis hineinkommst, steht im Tarif mit keinem Wort. Ich habe gezielt danach gesucht. Das klärst du am besten an der Kasse, kein Reiseführer kann es dir sicher sagen.

Und schon mal vorab: Der Tarif für 2027 ist bereits unterschrieben. Ab 1. April 2027 steigt das Einzelticket auf 35 €, das Kombiticket auf 45 €, Laodikeia auf 13 € und der MuseumPass auf 100 bzw. 105 €. Dafür ist ab demselben Datum der Audioguide für Ausländer im Ticketpreis enthalten: Im Tarif 2027 hat die Zeile Hierapolis ein Sternchen mit genau dieser Fußnote, im Tarif 2026 fehlt es noch.

3. Fotospaziergang durch Hierapolis

Gleich eine Korrektur in eigener Sache: Es gibt nicht zwei, sondern drei Eingänge, und sie sind längst nicht gleichwertig. Was ich früher für den „ersten Eingang“ hielt, die Stelle direkt hinter dem Kleopatra-Becken, ist gar kein Eingang. Das ist ein Punkt mitten im Gelände: Wir waren einfach von unten, vom Dorf aus, über die Terrassen dort hinaufgestiegen.

  • Südtor (Güney Kapı): der Haupteingang, hier kommen etwa 70 % aller Besucher rein, es gibt einen großen Parkplatz. Bis zu den Terrassen und zum Becken sind es 710 Meter, rund zehn Minuten zu Fuß. Von hier bist du am schnellsten am Becken, am Theater und am Plutonion;
  • Nordtor (Kuzey Kapı): auf der Seite der Nekropole und des Domitianstors. Von hier läufst du bequem einmal quer durch die ganze Stadt, genau wie in der zweiten Hälfte dieses Berichts. Bis zu den Terrassen sind es aber zwei Kilometer, etwa eine halbe Stunde;
  • Unterer Fußweg aus dem Dorf: der Weg barfuß über die Terrassen bergauf. Ein Kilometer und 85 Höhenmeter, realistisch 25 bis 40 Minuten. Dafür bekommst du nur hier das klassische Foto mit den weißen Terrassen von unten nach oben.

Zwei Warnungen. Erstens: Der untere Eingang schließt um 18:00 Uhr, früher als alle anderen. Wer abends über die Terrassen ins Dorf hinuntergeht, kommt nicht mehr nach oben zurück. Zweitens: Einen Shuttle zwischen Nord- und Südtor bestätigen die offiziellen Quellen nicht, und von einem Tor zum anderen sind es 2740 Meter, gut vierzig Minuten zu Fuß. Wenn du mit dem Auto kommst, überleg dir vorher, wie du wieder zum Wagen kommst.

Und zu den Terrassen selbst: Betreten und ins Wasser gehen darfst du nur auf den markierten Abschnitten. Das ist eine offizielle Regel des Ministeriums und keine Erfindung der Aufseher. Die Schuhe ziehst du am Anfang des Weges aus: Eine veröffentlichte Vorschrift „nur barfuß“ habe ich nicht gefunden, aber vor Ort halten sich ausnahmslos alle daran.

Unseren Rundgang durch Hierapolis beginnen wir an den Terrassen und einem kleinen grünen Park.

Manchmal hat man den Eindruck, die Mauern seien aus Teilen anderer, noch älterer Bauten errichtet. Hier zum Beispiel steckt eine runde Säule in der Mauer, die da ganz offensichtlich nicht hingehört:

Runde Säule, eingemauert in eine antike Mauer von Hierapolis

Auch hier hat sich zwischen den rechteckigen Steinen ein Stück einer runden Säule versteckt:

Säulenstück zwischen rechteckigen Mauersteinen

Alle Sehenswürdigkeiten von Hierapolis. Wie du siehst, sind es ziemlich viele:

So viele Sehenswürdigkeiten gibt es in Hierapolis

Der größte Teil der Stadt sieht so aus, schlecht erhaltene Ruinen:

Schlecht erhaltene Ruinen im größten Teil der antiken Stadt

3.1. Nymphäum

Das erste große Bauwerk auf unserem Weg ist das Nymphäum. Früher lag hier die Heilige Quelle:

Nymphäum von Hierapolis an der Stelle der Heiligen Quelle

Hier gab es einmal Brunnen und ein großes Becken:

Becken des Nymphäums, wo früher Brunnen sprudelten

Schau dir die Dimensionen an:

Ausmaße der erhaltenen Ruinen des Nymphäums

Wofür wohl diese Nischen in der Wand gedacht waren? Vielleicht standen hier früher schöne Statuen?

Nischen in der Wand des Nymphäums

Manche Steine sind sehr ungewöhnlich bearbeitet: nicht rechteckig, sondern als komplizierte Vielecke. Das erinnert stark an polygonales Mauerwerk, wie man es an vielen gewaltigen Bauten der Antike findet, von der Großen Pyramide in Ägypten bis Machu Picchu. Nur wirkt es hier, als hätte man fertige Steine genommen und irgendwie aufeinandergesetzt:

Steine mit vieleckiger Form im Mauerwerk

Alles, was von den antiken Bauwerken übrig ist:

Überreste der antiken Bauwerke am Nymphäum

Weite Flächen sind mit einzelnen Bauteilen übersät, die Restaurierung ist noch längst nicht abgeschlossen:

Feld mit Steinfragmenten, die auf die Restaurierung warten

Schau mal, wen wir hier getroffen haben:

Unerwartete Begegnung zwischen den Steinen am Nymphäum

Hier war wohl einmal ein Wasserbecken, übrig ist nur eine kleine Brücke:

Steinerne Brücke an der Stelle eines früheren Beckens

Steinfragmente mit feinen Ornamenten:

Steinfragmente mit feinem antikem Ornament

Solche Teile schmückten meist die Decken (so etwas wie antike Deckenfliesen):

Verzierte Platten, die antike Decken schmückten

Marmorplatte mit antiker Inschrift:

Marmorplatte mit antiker Inschrift

Wofür wohl dieses Rad aus Stein gedacht war?

Steinrad, dessen Zweck unklar ist

An manchen Stellen sind sogar Eisenstücke erhalten, mit denen die Konstruktion verstärkt wurde:

Reste eiserner Verbindungen im antiken Mauerwerk

Schade, dass viele Fundstücke noch unter Schutt liegen und darauf warten, endlich ausgegraben zu werden. Diese Säule zum Beispiel steckt regelrecht im Boden fest:

Säule, halb im Boden versunken, neben einer Grabungsstelle

Noch so eine Säule:

Zweite Säule, halb im Boden versunken

Manche Bereiche sind für Grabungen abgesperrt, aber wir haben dort niemanden gesehen:

Abgesperrte, aber leere Grabungsfläche

3.2. Amphitheater (genauer gesagt: antikes Theater)

Vorab ein Wort zum Namen. Alle Reiseführer, ich eingeschlossen, nennen es Amphitheater. Ein Amphitheater ist aber ein geschlossenes Oval wie das Kolosseum. Hier steht ein klassisches Theater: ein Halbrund, in den Hang gebaut. In türkischen Dokumenten heißt es auch so: Hierapolis Antik Tiyatrosu.

Vom Nymphäum (und dem Apollon-Heiligtum gleich daneben) steigen wir hinauf zum Eingang des Theaters.

Es sieht aus, als ginge es dahinter steil bergab:

Eingang zum antiken Theater über dem Abhang

Die Geschichte des Theaters von Hierapolis:

Infotafel zur Geschichte des Theaters von Hierapolis

So sieht das Theater heute aus:

Das antike Theater von Hierapolis heute

Das Theater wurde ziemlich gut restauriert. Man sieht, dass das Bühnenhaus früher zwei Stockwerke hatte, denn oben stehen noch Reste von zwei weiteren Säulen:

Zweistöckiges Bühnenhaus mit Säulenresten

Das Theater ist riesig. Früher habe ich geschrieben, es habe fünf- bis zehntausend Zuschauer gefasst. Heute weiß ich, dass das viel zu niedrig angesetzt war. Eine offizielle Zahl veröffentlicht das Ministerium gar nicht, und von den Schätzungen, die ich finden konnte, liegt die vorsichtigste bei zwölftausend, die kühnste bei zwanzigtausend. Ehrlich gesagt kennt niemand die genaue Zahl, aber es waren deutlich mehr als zehntausend Plätze:

Riesiger Zuschauerraum des Theaters mit deutlich mehr als zehntausend Plätzen

Ein Teil des restaurierten Bühnenhauses:

Ausschnitt des restaurierten Bühnenhauses im antiken Theater

Erhalten ist ein Gemälde, das zeigt, wie das Theater aussah, als man es entdeckte:

Gemälde: das Theater zur Zeit seiner Entdeckung

Übrigens stehen die meisten Statuen und Fundstücke aus den Grabungen am Theater im Museum von Hierapolis. Dort kannst du sie dir direkt ansehen.

Das Gebäude, das du heute siehst, entstand unter Kaiser Septimius Severus im 3. Jahrhundert n. Chr. und hat einen älteren Bau aus flavischer Zeit überbaut. Eine Inschrift auf dem Architrav datiert eine Reparatur der Bühne auf das Jahr 352.

Und das gab es bei unserem Besuch noch nicht: Im Theater wird wieder gespielt. Für die Saison 2026 meldete die Kultur- und Tourismusdirektion Denizli sowohl das Ballett „Zorba“ mit dem Staatlichen Opern- und Balletttheater Ankara als auch ein Rockkonzert, direkt hier auf den antiken Rängen. Wenn du so einen Abend erwischst, hast du richtig Glück gehabt.

Und jetzt zum Plutonion, dem „Tor zur Hölle“. Zwischen dem Kleopatra-Becken und dem Theater liegt ein Ort, den man in römischer Zeit für den Eingang zur Unterwelt hielt. Wir haben ihn nicht gesehen und konnten ihn auch gar nicht sehen: Die Höhle hat die italienische Mission von Francesco D’Andria 2013 entdeckt, für Besucher geöffnet wurde sie erst im Juni 2022, nach anderthalb Jahrtausenden.

Die Geschichte dahinter ist unheimlich und zugleich reine Physik. Aus einer Erdspalte strömt zusammen mit heißem Wasser Kohlendioxid. Es ist schwerer als Luft und sammelt sich direkt über dem Höhlenboden. Kleine Tiere, die zu nah herankamen, starben, und so entstand der Mythos vom Durchgang ins Reich der Toten. Die Archäologen haben dort übrigens mit Gasmasken gearbeitet. Das Gas tritt bis heute aus, deshalb darf niemand hinein zum brodelnden Wasser: Anschauen kannst du alles nur von einer Aussichtsplattform. Daneben stehen Kopien der Statuen von Hades und seinem dreiköpfigen Hund Kerberos. Für mich sind die überflüssig, der Ort wirkt auch ohne sie.

3.3. Martyrion des Philippus

Nach dem Theater machen wir uns auf den Weg zum weit entfernten Heiligtum des Philippus.

Wir folgen einfach den Schildern:

Wegweiser zum Martyrion des Philippus

Ein langer Weg führt zum hinteren Hügel (auf dem Foto links), da wollen wir hin:

Langer Weg zum hinteren Hügel mit dem Heiligtum

Sorgfältig bearbeitete Blöcke liegen unter einem Haufen gewöhnlicher Steine:

Bearbeitete Blöcke unter einem Haufen einfacher Steine

Endlich sind wir an der kleinen Brücke, hinter der die Treppe auf den Hügel beginnt:

Kleine Brücke vor der Treppe zum Hügel des Martyrions

Unterwegs kommen wir an antiken Thermen vorbei (in anderen Thermen ist heute das Museum von Hierapolis untergebracht):

Ruinen antiker Thermen auf dem Weg zum Martyrion

Der Weg ist weit, also machen wir eine kurze Pause im Schatten eines Steinblocks:

Pause im Schatten eines großen Steinblocks

Wieder ein seltsames Durcheinander aus Bruchstücken, die ganz unterschiedlich geformt und bearbeitet sind:

Durcheinander unterschiedlich bearbeiteter Bruchstücke

Eine antike Dusche?

Steinbau, der an eine antike Dusche erinnert

Eine Reihe von Säulen gegenüber dem Eingang zum Martyrion:

Säulenreihe gegenüber dem Eingang zum Martyrion

Und dieser Bau sieht aus wie ein moderner Heizkörper:

Steinbau, der an moderne Heizkörper erinnert

Direkt vor dem Eingang steht eine Tafel zur Geschichte des Heiligtums:

Infotafel zur Geschichte des Martyrions vor dem Eingang

Vom Bau sind mehrere kleine Türme mit Bögen übrig, die im Kreis angeordnet sind:

Im Kreis angeordnete Türme mit Bögen am Martyrion

Gebaut sind sie einfach großartig: Die Steine sind nicht nur zu einem Bogen gesetzt, auch der Durchgang selbst verläuft schräg. Dieses Foto ist genau senkrecht zur Steinfläche aufgenommen, und trotzdem wirkt es, als würde man von der Seite schauen. Tatsächlich sind alle Steine auf der rechten Seite schräg zugeschnitten:

Bogen am Martyrion mit schräg zugeschnittenen Steinen

Das Martyrion ist das wichtigste christliche Heiligtum von Hierapolis, Pilger kommen aus der ganzen Welt hierher. Mit dem Grab des Apostels ist es allerdings nicht so eindeutig. Ich zeige dir lieber den Widerspruch, als mir die bequemere Version auszusuchen. Das türkische Kulturministerium schreibt, das Grab des Philippus liege in der Mitte dieses achteckigen Baus. Der Leiter der italienischen Ausgrabungen, Francesco D’Andria, erklärte dagegen schon im Sommer 2011, man habe das Grab nicht hier gefunden, sondern in einer eigenen Kirche etwa vierzig Meter entfernt. Das Ministerium hat seine Beschreibung seitdem nicht geändert:

Das achteckige Martyrion des Apostels Philippus auf dem Hügel

Ein Teil der Bögen:

Ein Teil der Bögen des achteckigen Martyrions

3.4. Marktplatz

So sah die Agora von Hierapolis früher aus:

Rekonstruktion: So sah die Agora von Hierapolis aus

Heute ist hier fast alles zugewachsen, es sieht eher aus wie eine Brache:

Zugewachsener Marktplatz, der wie eine Brache aussieht

3.5. Hauptstraße, Latrine und Domitianstor

Wir kommen auf die Hauptstraße der Stadt:

Hauptstraße der antiken Stadt Hierapolis

Über Hierapolis (und Pamukkale) kannst du mit dem Gleitschirm fliegen:

Gleitschirme am Himmel über Hierapolis

Die antiken öffentlichen Toiletten, die Latrine:

Antike Latrine, die öffentliche Toilette von Hierapolis

Das alles sind Toiletten:

Gesamtansicht der erhaltenen antiken Latrine

Foto und Plan der Hauptstraße:

Tafel mit Foto und Plan der Hauptstraße

Wir nähern uns dem nördlichen Römertor, das auch Domitianstor heißt:

Weg zum nördlichen Römertor, dem Domitianstor

Und da ist das Tor:

Das Domitianstor in Hierapolis aus der Nähe

Hinter dem Tor liegen die Reste weiterer Thermen, die später zu einer Basilika umgebaut wurden:

Reste von Thermen, die zur Basilika umgebaut wurden

Bei unserem Besuch wurde die Basilika gerade restauriert, hinein durfte man deshalb nicht:

Basilika von Hierapolis, wegen Restaurierung gesperrt

Offenbar ist der Bau nicht stabil genug, es besteht Einsturzgefahr:

Einsturzgefährdetes Mauerwerk der Basilika

3.6. Nekropole

Direkt hinter der Stadt liegen die Reste der Nekropole, des antiken Friedhofs. Die Nekropole von Hierapolis ist die größte im Südwesten Anatoliens. So formuliert es das türkische Kulturministerium selbst, das ist keine Schätzung nach Augenmaß.

Manche Sarkophage stehen erhöht über dem Boden:

Erhöht aufgestellte Sarkophage in der Nekropole

Andere liegen in steinernen Grabhäusern:

Steinerne Grabhäuser in der Nekropole von Hierapolis

Die Grabhäuser sind aus sehr sorgfältig bearbeiteten Steinen gebaut:

Sorgfältig bearbeitete Steine eines antiken Grabhauses

Im Inneren eines der Gräber:

Im Inneren eines Grabes in der Nekropole

Die Nekropole ist riesig, allein hier kannst du gut eine Stunde herumlaufen. Der zweite Eingang nach Hierapolis liegt noch ein Stück hinter der Nekropole. Bis dorthin haben wir es nicht mehr geschafft.

4. Fazit

Hierapolis ist eine riesige antike Stadt, durch die man wunderbar lange streifen kann.

Aber auf keinen Fall mit einer Reisegruppe, sonst siehst du so gut wie nichts. Viel spannender ist es, auf eigene Faust loszuziehen, immer neue erstaunliche Fundstücke zu entdecken, auf Details zu achten und sich vorzustellen, wie an diesem verlassenen Ort einmal das Leben pulsierte.

Am besten verteilst du Hierapolis und die Terrassen von Pamukkale auf zwei Tage. An einem Tag schaffst du beides körperlich nicht. Aber Achtung: Das normale Ticket gilt einen Tag, am zweiten Tag musst du ein neues kaufen. Das Kombiticket für 40 € gilt 72 Stunden, aber ob man damit zweimal nach Hierapolis darf, steht nicht im Tarif. Frag an der Kasse.

Einen Tipp, wie du bei Sonnenaufgang an der Kasse vorbeikommst, gibt es hier nicht: Das ist UNESCO-Welterbe, heute gibt es Drehkreuze, Wachpersonal und eine Nachtschicht, und das Geld aus den Tickets fließt auch in die Ausgrabungen, die hier weiterlaufen. Wenn du Ruhe und leere Terrassen willst, komm zur Öffnung um acht Uhr morgens oder nimm den Abendbesuch von sieben bis elf. Das klappt genauso gut und ganz ohne Stress.

Wir haben versucht, alles an einem Tag zu schaffen, und waren am Ende so erledigt, dass wir uns gerade noch in unser Hotel in Pamukkale geschleppt haben und sofort eingeschlafen sind. Kaum vorstellbar, dass viele nach so einem Tag noch stundenlang im Bus durchgeschüttelt werden.

Pack unbedingt ein: lange Kleidung, Sonnencreme, einen Sonnenhut, genug Wasser und einen Snack. Gegen Mittag habe ich mir einen ordentlichen Sonnenbrand geholt, meine lange Thai-Hose hat mich da wirklich gerettet.

Das ganze Gelände mit Kindern zu erkunden, halte ich für keine gute Idee: zu anstrengend und zu lang. Such dir lieber die Orte aus, die dich am meisten interessieren. Mir sind vor allem das Martyrion des Philippus und die Hauptstraße in Erinnerung geblieben. Antike Theater hatten wir schon gesehen (zum Beispiel das riesige Theater in Side), und Nymphäum und Agora sind zu schlecht erhalten, um wirklich zu beeindrucken.

5. Video

Wenn du Hierapolis gleich jetzt sehen willst, ohne auf den nächsten Urlaub in der Türkei zu warten: Hier ist das Video, das wir bei unserem Besuch gedreht haben. Es ist ziemlich lang, dafür sind alle wichtigen Orte drin.

Viel Spaß beim Anschauen:

Warst du schon in Hierapolis? Was hat dich am meisten beeindruckt? Schreib es gern in die Kommentare!