Das Schmetterlingstal (Kelebekler Vadisi) ist eine kleine Kiesbucht rund 12 km südlich von Fethiye, eingeklemmt zwischen bis zu 400 Meter hohen Felswänden. Vom Strand führt ein Pfad in eine enge Schlucht mit Wasserfällen – und zu den Schmetterlingen, nach denen das Tal benannt ist. Eine Straße gibt es nicht: Hin kommst du praktisch nur übers Meer, mit dem Boot vom Strand Belcekız in Ölüdeniz (etwa 30 Minuten) oder mit einer Tagesbootstour. Was es heute kostet, lässt sich nicht verlässlich sagen: Der Betreiber des Tals veröffentlicht weder den Eintritt noch den Bootspreis. Die Preise von unserem Besuch 2015 findest du unten als Orientierung, die aktuellen erfragst du am Bootskiosk am Strand oder telefonisch im Tal. Und wenn du wegen der Schmetterlinge kommst: Die beste Zeit ist Mitte Juli. Rund um Ölüdeniz gibt es neben der berühmten Blauen Lagune noch viele spannende Orte – das Bergdorf Faralya hoch über dem Tal, die Geisterstadt Kayaköy und eben das romantische Schmetterlingstal. Das Tal ist der ungewöhnlichste dieser Orte.
Wir haben den Artikel im September 2026 komplett überprüft. Neu ist der wichtigste praktische Tipp: Schmetterlinge siehst du nicht das ganze Jahr, der Höhepunkt ist Mitte Juli, und sie sitzen an den Felsen beim ersten und zweiten Wasserfall. Alle Preise aus unserer Reise sind um ein Vielfaches gestiegen. Den aktuellen Eintritt, den Bootspreis und die Bungalowpreise veröffentlicht der Betreiber nirgends – das schreiben wir lieber offen, statt Zahlen von 2015 ohne Hinweis stehen zu lassen. Auch der Bootsfahrplan hat sich geändert. Das Boot gehört dem Campingplatz im Tal: Außerhalb der Fahrzeiten kannst du anrufen und dich abholen lassen. Und eine ernste Warnung: Auf dem Pfad zwischen Faralya und dem Tal sind seit 2017 neun Menschen ums Leben gekommen, vier davon in den letzten vier Saisons. Die Behörden in Fethiye raten allen ohne Bergerfahrung, nicht höher als bis zum ersten Wasserfall zu gehen.
1. Das Wichtigste vorab
Was wusste ich vorher über das Schmetterlingstal? Dass es ein kleiner, gemütlicher Strand zwischen zwei Felswänden ist, dass man vom Strand zu einem Wasserfall laufen kann und dass es dort natürlich Schmetterlinge gibt – angeblich über 80 Arten.
Kurz zur Zahl der Arten. „Mehr als 80 Arten“ stammt aus einer wissenschaftlichen Arbeit von 2014. Die bisher einzige Feldzählung (Universität Istanbul, Sammlungen von 1999) kam auf 105 Schmetterlingsarten und 147 Pflanzenarten. Beide Zahlen stimmen, sie stammen nur aus verschiedenen Arbeiten. Ehrlicherweise muss man dazusagen: Unter den 105 sind auch Nachtfalter – sie wurden mit einer Lichtfalle gefangen. Und das Wahrzeichen des Tals, die Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria), gehört ebenfalls zu den Nachtfaltern.
Und der Tipp, auf den es wirklich ankommt. Schmetterlinge gibt es hier nicht das ganze Jahr: Die meisten sind Mitte Juli unterwegs. Sie sitzen an den Felsen beim ersten und zweiten Wasserfall, dort, wo das Tal in eine Schlucht übergeht. Beobachtungsdaten aus der ganzen Türkei zeigen dasselbe Bild: Juli und August sind die Spitzenmonate, im Mai und Oktober sieht man nur vereinzelte Falter. Wenn du wirklich wegen der Schmetterlinge kommst und nicht wegen des Strandes, plane den Juli ein.
1.1. Anreise
Irgendwo im Internet hatte ich gelesen, dass man das Tal auch zu Fuß über die Berge erreicht – glaub das nicht! Einen Weg gibt es zwar, aber er ist extrem anstrengend und an einem Tag kaum zu schaffen. Und um nicht nur durch die Berge zu klettern, sondern wirklich ins Tal hinunterzukommen, musst du einen sehr schwierigen Abstieg bewältigen, der eher etwas für erfahrene Kletterer ist.
Seit unserer Reise ist daraus mehr als nur ein gut gemeinter Rat geworden. Der Pfad zwischen dem Dorf Faralya und dem Tal ist tatsächlich gefährlich – an ein, zwei Stellen geht es nur mit einem Seil weiter. Seit 2017 sind hier neun Menschen gestorben, vier davon in den letzten vier Saisons. Die offizielle Empfehlung der Kreisverwaltung Fethiye lautet: Wer keine Erfahrung mit Bergwanderungen hat, geht nicht weiter als bis zum ersten Wasserfall. Im Tal gibt es zwei Pfade – einen zu den Wasserfällen und einen hinauf nach Faralya. Den ersten schaffen fast alle, den zweiten nicht. Gefährlich ist nicht nur der Pfad: 2018 stürzte eine Frau beim Fotografieren am Aussichtspunkt an der Straße nach Faralya tödlich ab. Wenn du dort anhältst, halte beim Fotografieren Abstand zur Abbruchkante.
⚠️ Noch etwas, das du vorher wissen solltest: Im Sommer sperren die Behörden der Provinz Muğla wegen Waldbrandgefahr regelmäßig die Wälder der Region, und in solchen Verfügungen wurden Faralya und das Schmetterlingstal ausdrücklich genannt. Ob ein solches Verbot in diesem Sommer gilt, haben wir nicht geprüft. Wenn du zwischen Juni und Oktober unterwegs bist und durch die Berge wandern willst, schau dir die aktuellen Verfügungen der Provinz an. Vom Meer aus bleibt das Tal erreichbar – das Verbot betrifft die Waldwege.
Kurz gesagt: Der normale Weg ins Tal führt übers Wasser, und dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
- Du fährst mit einer Tagesbootstour ab Fethiye oder Ölüdeniz, die im Tal einen Stopp einlegt. Dann siehst du neben dem Schmetterlingstal noch weitere Buchten, hast für das Tal selbst aber höchstens anderthalb Stunden. Frag vor der Buchung konkret, ob das Boot in Kelebekler Vadisi anlegt und wie lange: Die bekannte „12-Inseln-Tour“ ab dem Hafen von Fethiye fährt zum Beispiel gar nicht ins Tal. Bei unserer Reise kosteten solche Touren 35–60 Lira pro Person, inklusive Hoteltransfer und Mittagessen. Heute verlangt ein Anbieter für eine Tagesbootstour ab Ölüdeniz mit Halt im Tal etwa 25 Dollar, also rund 1.210 Lira, Mittagessen nicht inklusive (Stand: September 2026).
- Du nimmst das Boot, das zwischen dem Strand von Ölüdeniz und dem Schmetterlingstal pendelt. 2015 kostete das Hin- und Rückticket 20 Lira.
Gut zu wissen: Das Boot ins Tal gehört keiner fremden Firma, sondern ist das „Serviceboot des Tals“ – es gehört dem Campingplatz selbst und legt am Strand Belcekız ab. Daraus ergibt sich ein praktischer Trick: Wenn du das letzte Boot verpasst hast, kannst du im Tal anrufen und dich mit einem Schlauchboot (Zodiac) abholen lassen – das schreibt der Betreiber selbst. Telefon und WhatsApp: +90 530 302 19 65 bis 68. Die offizielle Website des Tals ist kelebeklervadisi.com.tr. Vorsicht: Die frühere Adresse yenikelebeklervadisi.org, die teils noch als offizielle Seite verlinkt ist, gehört heute einer Casino-Spamseite.
Das Tal auf der Karte:
1.2. Was kostet der Ausflug?
Zusätzlich zur Anfahrt mussten wir 2015 für den Eintritt ins Schutzgebiet 5 Lira zahlen. Wer nicht ins Tal hineinwandern, sondern nur am Strand liegen wollte, zahlte nichts extra.
Alle Preise in diesem Artikel stammen von unserer Reise – und in Lira sind sie hoffnungslos veraltet. Zur Einordnung: Für Tagesbootstouren, die damals 35–60 Lira kosteten, verlangt ein Anbieter heute etwa 25 Dollar, also rund 1.210 Lira – das Zwanzig- bis Dreißigfache.
Was wir nicht herausfinden konnten: Weder den Eintritt noch den Bootspreis noch die Kosten für einen Bungalow veröffentlicht der Betreiber heute irgendwo – weder auf seiner Website noch im Buchungssystem. Die Zahlen im Reisebericht unten sind also eine Momentaufnahme von 2015. Die aktuellen Preise erfährst du am Bootskiosk am Strand oder telefonisch im Tal.
2. Unser Ausflug ins Tal
Wir wollten einen ganzen Tag im Tal verbringen, zum Wasserfall laufen und nach Schmetterlingen suchen. Deshalb sind wir ohne organisierte Tour einfach mit dem Boot hingefahren.
Das Bootsticket kaufst du an einem Kiosk direkt am Stadtstrand von Ölüdeniz:

Die Boote fahren nicht besonders oft. Informiere dich also vorher über die Abfahrtszeiten und sei 15–20 Minuten vor der Abfahrt am Strand:

Ab Ölüdeniz fuhren die Boote damals um 11:00, 12:30, 14:00, 15:00 und 18:00 Uhr, zurück aus dem Schmetterlingstal um 9:30, 10:30, 13:00, 14:00 und 17:00 Uhr. Das ist der Fahrplan von 2015, heute sieht er anders aus. Verbindliche Zeiten veröffentlicht niemand, auch nicht die Website des Tals: Mal ist von drei Fahrten die Rede, mal von fünf, mal von „jede Stunde“. Frag vor Ort am Kiosk am Strand Belcekız nach. Und denk daran: Der Campingplatz im Tal ist etwa vom 1. März bis 1. November geöffnet, und das Boot gehört ihm – im Winter fährt es womöglich gar nicht.
Wir haben zwei Tickets für zusammen 40 Lira gekauft:

Unser Boot – fast wie damals in Krabi auf dem Weg zum Strand Phra Nang:

Platz ist reichlich, mitgefahren sind nur etwa zehn Leute. Wir waren die Ersten an Bord, deshalb ist das Boot hier noch leer:

Ein Aushang: Im Bootsticket ist der Besuch des Schmetterlingstals schon enthalten (extra zahlen müssen offenbar nur die Gäste der Ausflugsschiffe):

Wir legen am Strand von Ölüdeniz ab – das Wasser hat hier eine unglaubliche Farbe:

Rechts der Berg Babadağ – um ihn herum fahren wir:

An Bord bekamen wir im Tausch gegen die Papiertickets Plastikkarten, die wir auf der Rückfahrt wieder abgeben mussten:

Der Gipfel steckt in den Wolken:

Die Landschaft ist wunderschön:

Hier ist das Meer schon tiefblau:

Die Bäume wachsen direkt aus dem Fels:

Nach einer halben Stunde sind wir fast da – siehst du das Schiff in der Ferne? Genau dort liegt das Schmetterlingstal:

Die Felsen ringsum sind einfach riesig:

Wie ist dieses Tal überhaupt entstanden? Die ganze Landschaft wirkt fast surreal:

Ausflugsschiffe, der Strand und das Tal, das sich im Dunkel der Schlucht verliert. Und die Wolken scheinen in den Bergen festzuhängen:

Auch die großen Reiseveranstalter bringen ihre Gäste bis hierher:

Um ins Tal und zum Wasserfall zu kommen, folgst du einfach den Schildern geradeaus:

Der Strand ist wie in Ölüdeniz: Kies und türkisfarbenes Wasser:

Willkommen im Schmetterlingstal:

Zuerst kommst du auf das Gelände des Campingplatzes. Hier kannst du im Café etwas essen, in einem Bungalow übernachten oder ein Zelt aufstellen:

Ein Bungalow kostete damals 90 Lira pro Nacht. Zum Zelt stand nichts angeschrieben, aber auch das durfte man nur gegen Platzmiete aufstellen. Dieser Teil ist übrigens nicht veraltet: Der Campingplatz ist in Betrieb, einfach so ein Zelt aufschlagen darfst du nach wie vor nicht – nur die Preise veröffentlicht der Betreiber nicht mehr.
Und der Grund, warum die Plätze hier immer knapp sind: Das Tal ist ein streng geschütztes Naturschutzgebiet. Nach den geltenden Regeln dürfen in solchen Gebieten keine neuen Bungalows gebaut werden, und ein Campingplatz ist auf 150 Stellplätze begrenzt, mit mindestens 200 Quadratmetern pro Platz. Ein Ferienresort wird aus dem Tal also nie – eine Übernachtung solltest du aber frühzeitig buchen.

Vorbei am Café und an der Zeltstadt – und schon sind wir am Eingang ins eigentliche Tal:

Wir zeigen einfach unsere Plastikkarten und gehen weiter, auf einem Waldpfad:

Erstaunlich: Kaum waren wir im Tal, spürten wir, wie anders das Klima ist als in Ölüdeniz. Weil das Tal zwischen den Felsen eingeklemmt ist, geht hier kein Lüftchen, und durch das nahe Meer ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Es ist heiß, stickig und feucht – eher Tropen als Mittelmeer. Wahrscheinlich gefällt es den Schmetterlingen genau deshalb hier so gut.
Schmetterlingsfans müssen wir allerdings ein wenig enttäuschen: Die Falter leben hier nicht das ganze Jahr, sondern nur ein paar Sommermonate. Wir haben gerade mal zwei, drei Schmetterlinge gesehen – nicht mehr als in Ölüdeniz oder Fethiye. Vermutlich tauchen sie erst im Juli und August auf. Die Beobachtungsdaten oben bestätigen genau das.
Gehen wir weiter ins Tal hinein?
Unterwegs kommt noch ein Café:

Danach nur noch der Pfad und die Berge – riesige, senkrechte Felswände:

Der Weg teilt sich. Einer führt hinauf ins Dorf Faralya, das hoch über dem Tal liegt:

Wir gehen aber erst einmal zum Wasserfall:

Manchmal musst du dich durchs Dickicht kämpfen:

Ob hier außer Schmetterlingen noch andere Tiere leben, weiß ich nicht. Nach so einer Wanderung springst du aber besser ins Meer, um eventuelle Insekten abzuspülen – Pflanzen gibt es hier wirklich reichlich:

Außerdem kann Steinschlag drohen – was man bei der Größe der Felsen sofort glaubt:

Ein schmaler Pfad an der Felswand entlang:

Und noch einer – hier hängt der Fels regelrecht über dir:

Weiter vorne war der Weg mit Steinen verschüttet. Den großen Wasserfall haben wir deshalb nicht gesehen, nur ein kleines Rinnsal:

Wie findest du diese Wand? Fast überall ragen hier solche senkrechten Felsen auf:

Einen Wasserfall haben wir dann doch noch entdeckt – ein ganz dünner Wasserstrahl, der vom Felsen fällt:

Das Tal ist klein, das Gehen aber sehr anstrengend – es ist einfach zu schwül und heiß. Hin und zurück haben wir 40 Minuten gebraucht.
Auf dem Rückweg wollten wir uns den Pfad nach Faralya ansehen. Weit sind wir nicht gekommen – zu gefährlich. Der Pfad ist sehr schmal und steil und überhaupt nicht gesichert: keine Seile (wie wir es aus Thailand kannten), keine Stufen, nichts zum Festhalten. Dazu ist er rutschig und mit kleinen Steinen übersät. Wir haben es lieber gelassen. Wenn du trotzdem hinaufwillst, nimm wenigstens einen Trekkingstock mit, damit du irgendeinen Halt hast.
Dafür haben wir die Bucht von ein bisschen weiter oben fotografiert:

Nach der Wanderung haben wir noch ein bisschen am Ufer gesessen – das Wasser ist glasklar:

Vom Strand aus sieht man die Zeltstadt. Wie es wohl ist, eine Nacht in diesem Tal zu verbringen?

3. Fazit und Video
Das Schmetterlingstal hat mir so gut gefallen, dass es bisher mein stärkster Eindruck aus der Türkei ist. Da war zwar noch die Dim-Höhle bei Alanya, aber die beiden Orte lassen sich kaum vergleichen. Wieder einmal zeigt sich: Die erstaunlichsten Orte der Welt hat die Natur geschaffen, nicht der Mensch.
Lohnt sich ein Ausflug ins Schmetterlingstal? Ja – und sei es nur für einen kurzen Stopp während einer Bootstour – diese Landschaft musst du gesehen haben. Solche Bilder vergisst du nicht mehr.
Willst du mit uns im Boot ins Schmetterlingstal fahren? Dann schau dir das Video an:
